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Ein neues Konzept für das Glacis

19. Juni 2018 | Minden. Die Steuerungsgruppe hat jetzt die Arbeit aufgenommen und auch die Bürger*innen sollen an dem Prozess beteiligt werden.

  • Es ist Denkmal, Park, Gartenanlage, Grüngürtel und stadtnaher Naturraum zugleich: das Mindener Glacis. Die Anlage entstand ab 1880 auf der ehemaligen Stadtbefestigung und ist heute ein „unverzichtbares und wertvolles Kleinod“ für viele Bürgerinnen und Bürger, Kinder und Jugendliche. Und weil das so ist, will sich die Stadt Minden nun zusammen mit vielen Beteiligten daran machen, ein Pflege- und Entwicklungskonzept zu erstellen, wie es in der Fortschreibung des Integrierten Handlungskonzeptes für die Innenstadt (2016-2020) vorgesehen ist. Das Projekt wird aus dem Landesprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ gefördert.

    Zum Auftakt ist Anfang Juni im Rathaus eine Steuerungsgruppe zusammengekommen, die den Prozess bis zum Frühjahr 2019 begleitet und unterstützt. Die Gruppe setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Politik, dem Bereich Stadtplanung und Umwelt, den Städtischen Betrieben Minden (SBM) sowie verschiedenen Interessenverbänden und Fachleuten zusammen. Dazu gehören der NABU (Naturschutzbund Deutschland), der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), die Weserfreunde, die Glacisschützer und der Stadtsportverband. Mit „im Boot“ sind auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Minden-Lübbecke und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Mit der Erstellung des Pflege- und Entwicklungskonzeptes Glacis wurde das Planungsbüro L-A-E Landschaftsarchitekten Ehrig & Partner aus Bielefeld beauftragt.

    „Beim ersten Treffen des 21-köpfigen Steuerungskreises ging es zunächst darum, die Teilnehmer*innen in das Projekt einzuführen“, berichten Margaretha Masbaum (Umwelt) und Cindy Werner (Stadterneuerung) aus dem Bereich Stadtplanung und Umwelt. Der Workshop stand unter der zentralen Frage „Was gilt es zu schützen und wie kann geschützt werden, wenn wir das Glacis für die Zukunft erhalten und entwickeln wollen?“ Das Büro Ehrig sammelte hierfür erste Standpunkte, Wünsche und Ansprüche von den Teilnehmern.

    Im nächsten Schritt geht es darum, mit Unterstützung des beauftragten Planungsbüros den Bestand des Glacis, das die Altstadt umgibt, aufzunehmen und zu analysieren. Danach sollen Zielvorstellungen gefunden, definiert und abgewogen werden. Das geschehe unter den Aspekten Natur- und Denkmalschutz, Erholungswert, sowie Freizeit und Sport, erläutert Cindy Werner. Gerade diese Vielfalt an Ansprüchen und Nutzungen stelle eine Herausforderung für die Auswahl der Ziele und deren Priorisierung dar.

    Neben dem Steuerungskreis werden die Bürger*innen bei öffentlichen Informationsveranstaltungen beteiligt. Alle, die sich für das Projekt „Pflege- und Entwicklungskonzept Glacis“ interessieren, finden erste Informationen unter www.minden.de/glacis.

    Was seinerzeit als Grünanlage mit Baumgruppen und lichten Grünräumen angepflanzt wurde, hat in den vergangenen Jahrzehnten durch unregelmäßige Pflege und natürliche Sukzession an Attraktivität verloren. So ist der Waldpark nur noch in Ansätzen zu erkennen. „Prägend für die waldartige Anlage ist der alte Baumbestand, dessen Bodenbereich im Frühjahr mit Frühlingsblühern (Geophyten) wie zum Beispiel Buschwindröschen übersät ist. Auf der Fläche von ca. 26 Hektar befinden sich etwa 3.600 Bäume - hauptsächlich der Arten Rotbuche, Stieleiche, Linde, Esche, Rosskastanie und Bergahorn. Mindestens 27 Brutvogelarten wurden gezählt, darunter auch seltene wie die Schwanzmeise und der Gimpel. Vertreten sind ebenfalls Eichhörnchen und verschiedene gefährdete Fledermausarten wie die Breitflügelfledermaus“, berichtet Margaretha Masbaum.  

    Die Nutzungsansprüche haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark geändert. Einstmals für das bürgerliche Flanieren geplant, nutzen heute nicht nur Spaziergänger sondern auch Freizeitsportler jeglicher Art und Radfahrer die Wege des Glacis. „Das alles gilt es bei der Erstellung des Konzeptes unter einen Hut zu bringen“, fassen Masbaum und Werner abschließend zusammen.


    Informationen zum Mindener Glacis

    Die parkartig gestaltete Anlage in der Innenstadt ist seit dem 9. Februar 2017 in die Denkmalliste der Stadt Minden eingetragen. Das Glacis mit teilweise altem Baumbestand, historischen Brücken, renaturierter Bastau, Monumenten, Schwanenteich und Spielplätzen bildet eine, den Mindener Stadtkern fast vollständig umfassende Grünanlage. Sie ist ein beliebter Freizeit- und Naherholungsbereich für alle Mindener.

    Die Fläche, die als Grüngürtel die Mindener Altstadt einrahmt, gehörte früher zu den Stadtbefestigungsanlagen. Nachdem 1873 die Festung Minden aufgehoben worden war, entstand auf dem seinerzeit bereits bewachsenen Grüngürtel eine Parkanlage. Zunächst kümmerte sich ein Verschönerungsverein um die Pflege, ab 1890 die „städtische Parkkommission“, später das Grünflächenamt der Stadt Minden und heute die Städtischen Betriebe Minden.

    Die städtische Parkkommission beauftragte Ende des 19. Jahrhunderts den hannoverschen Stadtgarteninspektor Julius Trip (1857–1907) und den Hofgärtner Georg Tatter (1858–1924) aus Hannover-Herrenhausen mit der Erstellung eines Gutachtens über den künftigen Umgang mit den Glaciswaldungen. Trip und Tatter empfahlen eine behutsame Auslichtung der über längere Zeit nicht durchforsteten Waldbereiche nach gartenkünstlerischen Gesichtspunkten. Dabei sollten markante Einzelbäume und Baumgruppen erhalten, Lichtungen angelegt und das Gelände modelliert werden, um ein malerisches Parkbild zu schaffen und „Ausblicke in die herrliche Umgebung, die weltberühmten Waldberge der Porta“ zu ermöglichen, wie es in dem Gutachten hieß. Julius Trip zählt zu den maßgeblichen Wegbereitern des Freiraumtyps „Waldpark“.

    Das Glacis ist knapp vier Kilometer lang, zwischen 25 und 175 Meter breit und weist eine Höhendifferenz von 16 Metern auf. Die Anlage besteht aus den Abschnitten Weserglacis – einschließlich der Weserpromenade – Simeonsglacis, Königsglacis, Marienglacis und Fischerglacis. „Das Erscheinungsbild des Mindener Glaciswaldes wird von Rotbuche, Stieleiche, Linde, Esche, Rosskastanie und Bergahorn geprägt. In den Randbereichen und entlang der Wege besteht die zuweilen dichte Strauchvegetation vor allem aus Weißdorn, Schwarzem Holunder, Haselnuss, Schneebeere, Rhododendron und Ilex“, heißt es in dem Denkmalblatt 720 der Stadt Minden.

    Die Wegeführung entspreche in weiten Teilen noch heute der ursprünglichen Anlage, weiß Dieter Bommel von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Minden. Zum Konzept der landschaftsgärtnerischen Gestaltung des Glacis gehörte auch die Schaffung von Blickbeziehungen, zum Beispiel zu den historischen Kirchen der Stadt. Auch diese gibt es heute noch. „Dank der weisen Voraussicht der Stadtväter, die nach 1873 beharrlich und zielstrebig den Erwerb der Festungs- und Glacisanlagen betrieben, sowie dank der andauernden und behutsamen Pflege hat sich in Minden ein Dokument historischer Freiraumgestaltung erhalten, das in Ausdehnung, Größe und Vielgestaltigkeit in Westfalen-Lippe einzigartig ist“, so der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der das Glacis im Mai 2017 zum „Denkmal des Monats“ machte.

    Pressestelle der Stadt Minden, Susann Lewerenz, Telefon 0571 89204,

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