Erster Spatenstich an der Stadtblänke - Biotop dient dem Hochwasserschutz

31. Mai 2019 | Minden. Die Fläche soll künftig auch Rückzugsort für Fische, Vögel und Insekten sein.  Es ist geplant, dass die Arbeiten im Herbst beendet sind.

  • Ordentlich ins Zeug legten sich am vergangenen Montag, 27. Mai, die Verantwortlichen beim ersten Spatenstich an der „Stadtblänke“. Auch Bürgermeister Michael Jäcke schwang den nagelneuen Spaten. Die Blänke werde erlebbar sein und ein echter Gewinn für Minden sein, hob Jäcke hervor. Hier werde nichts zerstört, sondern wieder natürlich hergestellt. Die Innenstadt Mindens erhält an der Weser – auf der östlichen Seite - ein neues Biotop, das gleichzeitig dem Hochwasserschutz dient.

    Bagger hatten auf dem Grundstück, das im Besitz des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) ist,  schon ordentlich „vorgearbeitet“, Teile des Bodens abgetragen und zusammengeschoben. Zwischenzeitlich mussten die Mitte Mai begonnenen Arbeiten eingestellt werden, weil die Weser nach starken Regenfällen Hochwasser führte, das erst wieder abfließen musste. Die Arbeiten werden nun am kommenden Montag, 3. Juni, fortgesetzt und sollen im Herbst beendet sein.

    Insgesamt werden auf der rund 7.000 Quadratmeter großen Fläche an der Weser zwischen Weserbrücke (Kaiserstraße) und dem Vereinsheim des SV 1860 Minden (früher TV Jahn) rund 12.500 Kubikmeter Boden ausgehoben. Beauftragt wurde damit nach einer Ausschreibung das Mindener Unternehmen Becker. „Der Boden besteht im Schwerpunkt aus Auelehm, der die Auflandung im Laufe der Zeit gebildet hat“, erklärt Stefan Wehe vom Planungsbüro Sönnichsen & Partner. Bei jedem Hochwasser bleiben Schlamm und Sand an Land. Dieser hat sich auf nunmehr 2,60 Meter über dem normalen Weserpegel „aufgetürmt“ und werde jetzt abgetragen.

    „Künftig wird die Weser an dieser sehr engen Stelle mehr Platz haben“, erläutert Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz. Der Fluss kann sich dann bei einem höheren Wasserstand besser ausbreiten und auch die Fließgeschwindigkeit wird damit herabgesetzt . Zum anderen entsteht mit der dann an die Weser angeschlossenen Fläche ein Still- und Flachwasserbereich (=Blänke), der „einen neuen wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bereitstellt“, ergänzt Margaretha Masbaum aus dem Bereich Stadtplanung und zuständig für Umwelt. Solche Rückzugräume – vor allem für die Fische – seien insgesamt an der Weser selten, die in vielen Bereichen für den Schiffsverkehr begradigt wurde.

    Wie sich die „Ruhezone“ anfühlt, konnte am Montag schon mal ein Döbel testen, der sich in den Bereich der künftigen Blänke nach dem Hochwasser zurückgezogen hatte. Der Karpfenfisch hatte bloß ein Problem: Er kam so nicht mehr aus dem Tümpel heraus, als sich die Weser noch weiter zurückgezogen hatte. Die Weserfreunde halfen spontan, besorgten einen Kescher und befreiten den Döbel aus seiner misslichen Lage. Neben Fröschen, Fischen und Insekten wie Libellen, werden sich im Bereich der „Stadtblänke“ künftig auch entsprechende Pflanzen ansiedeln, sind die Mitglieder des Vereins „Weserfreunde“ überzeugt.

    Der Verein hatte 2014 die Anregung für das Projekt nochmals an die Stadt Minden herangetragen. Die Idee an sich ist noch älter, berichten die Mitglieder Wolfgang Hanke und Horst Spreckelmeyer. Fünf Jahre später wird es nun verwirklicht, was vor allem auch der Förderung des Landes zu verdanken ist, wie Lars Bursian betont. Maßnahmen des Hochwasserschutzes werden gefördert, Renaturierungen nicht, unterstrich Birgit Rehsies von der Bezirksregierung Detmold beim Spatenstich. Rund 400.000 Euro werde die Maßnahme kosten, von denen 318.000 Euro das Land Nordrhein-Westfalen übernimmt. Der Eigenanteil der Stadt beträgt knapp 80.000 Euro.

    Nach der Anregung durch die Weserfreunde wurde 2015 ein Antrag bei der Bezirksregierung Detmold zur Ausführung gestellt und im selben Jahr das Projekt auch genehmigt. 2016 ist nach der ersten Vorstellung im Ausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr ein Förderantrag gestellt worden. 2017 kam der Förderbescheid. Weitere Schritte waren der Nutzungsvertrag mit dem WSA, die Einbeziehung des Kampfmittelräumdienstes und eine Baugrunduntersuchung. 2018 sei die Ausschreibung für die Planung erfolgt.

    Die Projektleitung liegt bei der Stadt Minden Bereich Stadtplanung und Umwelt und dem SBM-Bereich Kanalisation - Gewässer, die Ausführungsplanung und die Bauleitung beim Planungsbüro. Nach dem Bodenaushub, mit dem auch das Parallelbauwerk sowie die ursprünglichen Buhnen wieder freigelegt werden, sollen flache Böschungen im Uferbereich entstehen. Auch sollen Weiden als standortgerechter Bewuchs angepflanzt werden. Des Weiteren werden Trittsteine verlegt, wodurch bei niedrigem Pegelstand eine Verbindung zur Insel entsteht, so Margaretha Masbaum.

    Alles Weitere „erledigt“ die Natur, die sich schnell den Bereich erobern werde, sind sich die Weserfreunde sicher.  Zum Abschluss soll eine Info-Tafel aufgestellt werden, die das Projekt erklärt.

    Pressestelle der Stadt Minden, Susann Lewerenz, Telefon 0571 89204,

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