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Objekt im Fokus in den Monaten November und Dezember

31. Oktober 2019 | Minden. Das Mindener Museum zeigt als Objekte im Fokus in den kommenden zwei Monaten Zinnfiguren aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

  • In der Sammlung des Mindener Museums werden rund 60.000 Objekte bewahrt. Trotz Dauer- und Sonderausstellungen oder Leihgaben an andere Museen lagern 95 Prozent der Sammlung verborgen im Magazin. Die Vielfalt und die Geschichte der Sammlung und das Wissen über die Objekte stellt das Museumsteam regelmäßig in Kabinettausstellungen vor. Alle zwei Monate wird außerdem ein „Objekt im Fokus“ im Foyer des Museums ausgestellt und dort seine Geschichte erzählt.

    Das Objekt im Fokus in den Monaten November und Dezember ist ein Konvolut von Zinnfiguren aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie stammen aus dem Besitz einer Münsteranerin, die diese fein gearbeiteten Figuren filigran mit der Hand bemalte. Ihre Sammlung umfasst vor allem kulturgeschichtliche Alltagsszenarien verschiedenster Epochen. So befinden sich neben den ausgestellten Zinnfiguren auch Objekte zum Thema Ägypten, Orient, Antike, Mittelalter und 19. Jahrhundert in der Sammlung des Mindener Museums. Die Figuren 1981 wurden dem Museum sehr wahrscheinlich anlässlich der Ausstellung „Die Welt der Zinnfigur“ geschenkt. 

    Zinnfiguren tauchen zum ersten Mal im 13. Jahrhundert in Magdeburg auf. Die Forschung geht davon aus, dass diese Figuren im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit zur Dekoration genutzt wurden. Als zentrale Produktionsstätten galten Nürnberg und Fürth. Eine Nürnberger Ratsentscheidung von 1578 stellte fest, dass „ihnen (den Nürnberger Zinngießern) nichts anderes zum Gießen zugelassen werden sollte, denn allein Kindswerk“ (=Spielzeug). 

    Bereits im 16. Jahrhundert finden sich in den Archivalien der fürstlichen Häuser und Hofhaltungen Berichte über Ausstellungen von Zinn- und Silberfiguren, die als Anschauungsmaterial und Spielzeug dienten. Der Habsburger Kaiser Maximilian (1469-1519) spielte als Kind mit Zinnfiguren. Auch die französischen Könige waren im Besitz solcher Spielfiguren. So bestellte der französische König Ludwig XIII. (1601-1643) für seinen Sohn, den späteren Ludwig XIV. (1638-1715), eine ganze Armee zinnerner Soldaten aus Nürnberg. Selbst Zar Peter III. von Russland (1682-1721) war im Besitz der beliebten Miniatursoldaten.

    Ab dem 17. Jahrhundert standen neben dem Zinnsoldaten auch noch zahlreiche andere Figuren zur Auswahl. Bei unserem Objekt im Fokus handelt es sich zum Beispiel um eine adelige Gartengesellschaft der Stilepoche Rokoko. Gut zu erkennen an den prunkvollen und eleganten Kleidern und den typischen „Allonge-Perücken“ (große, langlockige Herrenperücken). Die Darstellungen aus der Vor- und Frühgeschichte heben sich durch ihre Größe optisch etwas ab. Hier werden Szenen der Jagd sowie der Haus- und Hofarbeit abgebildet. Die Zinnfiguren zum Thema Hausmusik, zeigen eine Gesellschaft aus der Epoche des Klassizismus mit verschiedensten Instrumenten, Sitzgelegenheiten und Kunstgegenständen. 

    Die neuen zeitgeschichtlichen und kulturellen Motive dienten als Lernspielzeug. Gerade Dioramen (Schaukästen mit Modellfiguren und -landschaften), die oft kulturhistorische Szenen darstellen, verschaffen dem Laien eine erste Vorstellung über komplexere Themen. 

    Verkauft wurden die Nürnberger Zinnfiguren im 19. Jahrhundert in kleinen ovalen Holzspanschachteln. Der Deckel der Schachtel war oft bunt bedruckt. Außerdem gab es sogenannte Schlachtenpackungen, diese beinhalteten, wie der Name vermuten lässt, Zinnfiguren zu berühmten Schlachten, wie zum Beispiel: Die Schlacht bei Dennewitz oder der Schlacht bei Leipzig. Die Schachteln waren manchmal sogar mit kleinen Landkarten mit Beschreibungen der Einzelheiten versehen. Der Verkaufspreis für eine 1/8-Pfund-Spandose, gefüllt mit flachen bunten Zinnfiguren, betrug im Einzelhandel um 1900 zwischen 20 und 30 Pfennig.

    Durch die immer besser werdende Qualität, die detailgenaue Gestaltung und die traditionellen Motive, begannen auch Erwachsene, die kleinen Figuren aus Zinn zu sammeln. Offensichtlich legte auch die Vorbesitzerin unserer ausgestellten Objekte sehr viel Wert auf die detailgetreue Bemalung ihrer Figuren. 



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